Brief des Ministers an die Eltern und erziehungsberechtigten

27.4.2020

Sehr geehrte Eltern , sehr geehrte Erziehungsberechtigte!

Die letzten Wochen waren gerade für Sie eine Phase besonderer Belastung. Viele von Ihnen mussten ihre berufliche Tätigkeit von zu Hause aus organisieren. Gleichzeitig wurde der Betrieb des Schulsystems zurückgefahren und auf Distance Learning umgestellt. Diese Entscheidung ist der Bundesregierung und mir als Ressortchef nicht leichtgefallen. Sie war aber zum Schutz der Bevölkerung und auch aller, die an unseren Schulen lernen und lehren, unumgänglich.

 

Wir haben in kurzer Zeit Modelle für Distance Learning entwickelt, uns bemüht, die digitale Ausstattung unserer Schülerinnen und Schüler zu verbessern, und digitale Lehr- und Lerninhalte verfügbar gemacht. Wir haben einen Härtefonds für nicht statt gefundene Schulreisen und Schulveranstaltungen eingerichtet, um Eltern und Erziehungsberechtigte bei nicht rückerstatteten Stornokosten zu unterstützen. Und wir haben ein Modell für die Durchführung der Matura und der Abschlussprüfungen in Zeiten von Corona erarbeitet.

 

Schule ist aber wesentlich mehr als nur ein Ort des Lernens. Ebenso wichtig sind die sozialen Kontakte und Freundschaften, die in den Klassenzimmern bestehen, ist die Begegnung mit Kindern und Jugendlichen und mit der Bezugsperson Lehrerin bzw. Lehrer. All dies macht eine Öffnung der Schulen für unsere Gesellschaft wichtig.

 

Seit Anfang April beobachten wir eine Stabilisierung der Infektionszahlen. In vielen Bereichen des öffentlichen und wirtschaftlichen Lebens wird nun der Versuch unternommen, eine neue Normalität herzustellen und die Arbeit wieder aufzunehmen. Nach reiflicher Abwägung und in Abstimmung mit dem Bundeskanzler und dem Gesundheitsminister ist es nun an der Zeit, im Bereich des Schulsystems den nächsten Schritt zu gehen.

 

Dazu haben wir eine klare Strategie entwickelt, die auf folgenden Eckpunkten basiert:

 

•Die Schulen werden nicht für alle gleichzeitig geöffnet.

  • Wir öffnen die Schulen zuerst für die Älteren, die einen Abschluss brauchen. Ab 4.5.kehren die Maturantinnen und Maturanten zurück sowie alle Schüler/innen derAbschlussklassen im Bereich der Berufsbildung.
  • Die zweite Etappe planen wir für den 18.5. Sie betrifft alle 6- bis 14-Jährigen, also dieVolksschulen, AHS-Unterstufen, NMS und die Sonderschulen.
  • Wenn alles gut geht und die Infektionen nicht wieder ansteigen, folgt die dritte Etappeder Schulöffnung am 3.6. Dann werden die Polytechnischen Schulen, die AHS-Oberstufesowie die berufsbildenden mittleren und höheren Schulen folgen.

Die zweite und dritte Etappe beginnen jeweils an einem Freitag – mit einer Konferenz des Lehrerkollegiums, um den Schulstart für die Schülerinnen und Schüler in der Woche darauf gut vorzubereiten.

 

• Der Schulbetrieb wird entlang der folgenden fünf Prinzipien organisiert:

  1. Verdünnung durch Schichtbetrieb
  2. Lehrstoff: weniger ist mehr
  3. Leistungsbeurteilung mit Augenmaß
  4. Einhaltung der Hygienebestimmungen
  5. Ausnahmen für spezielle Personengruppen

Ich habe die Schuldirektorinnen und -direktoren ersucht, die Einteilung des Schichtbetriebs

  • für die Schülerinnen und Schüler der Volksschule, NMS und AHS
  • Unterstufe bis zum 4.Mai und-für die übrigen Schülerinnen und Schüler bis zum 15. Mai

vorzunehmen. Damit haben Sie Zeit, ihren Arbeitsalltag zu organisieren und sich in Ihrer Familie auf die neuen Gegebenheiten einzustellen. Alle näheren Informationen erhalten Sie direkt von der Schule Ihres Kindes.

 

Für alle Schülerinnen und Schüler, die an die Schulen kommen, werden wir bei der etappenweisen Aktivierung des Schulbetriebs für die Einhaltung von strengen Hygieneauflagen Sorge tragen. Falls Sie Ihr Kind aber aus Sorge um dessen Gesundheit nicht an die Schule zurückkehren lassen wollen, gilt es als entschuldigt. Bitte teilen Sie dies der Schulleitung oder dem Klassenvorstand mit, ihr Kind kann den jeweiligen Lernstoff dann von zu Hause aus bearbeiten.

 

Wir wissen, dass dieser Weg eine Gratwanderung darstellt. Er ist das Ergebnis der Abwägung zwischen dem Schutz der Gesundheit und der Verpflichtung, die Bildungs- und Berufschancen unserer Kinder und Jugendlichen mittel- und langfristig zu gewährleisten. Helfen auch Sie bitte mit, dass uns dieser Weg gelingt.

 

Ich wünsche Ihnen und Ihrer Familie alles Gute. Gemeinsam schaffen wir es, unsere Kinder und Jugendlichen trotz der Corona-Krise gut auf die Zukunft vorzubereiten.

 

Mit freundlichen Grüßen Ihr

Heinz Faßmann

 

Univ.-Prof. Dr. Heinz Faßmann

Bundesminister für Bildung, Wissenschaft

 

 

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Anfang April 2020: 

Liebe Maturantinnen, liebe Maturanten, 

das Coronavirus (Covid-19) hat der Welt viel an Unsicherheit gebracht. Dazu kommt in Ihrer Situation die spezielle Frage, wie die Matura dieses Jahr abgewickelt werden kann. Angesichts der sehr dynamischen Entwicklungen der vergangenen Wochen mussten wir viele Aspekte der Zentralmatura neu bewerten. Wir müssen zunächst die Wirksamkeit der Maßnahmen beobachten, die von der Bundesregierung beschlossen wurden, und die Entwicklung der Neuerkrankungen an Covid-19 abwarten, bevor es zu solchen Festlegungen kommen kann. 

Folgendes steht zum jetzigen Zeitpunkt für mich jedoch fest: 

 

  • Der Beginn der standardisierten schriftlichen Klausuren wird jedenfalls nach hinten verschoben, und zwar voraussichtlich auf den 19. Mai 2020 (statt bisher 5. Mai). 

  • Vor den schriftlichen Klausuren sollen jedenfalls zwei Wochen Unterricht stattfinden. In dieser Zeit sollen auch allenfalls noch offene Schularbeiten durchgeführt werden. Das ist wichtig für die Leistungsbeurteilung, aber mindestens ebenso wichtig für Sie: Sie müssen die Möglichkeit haben, vor den Klausuren nochmals schriftliche Prüfungssituationen zu meistern, um gut vorbereitet zu sein. Diese Schularbeiten werden jedenfalls hinsichtlich der Anzahl und Länge begrenzt. 

  • Die Präsentation und Diskussion der VWA/Diplomarbeiten entfällt, die Beurteilung erfolgt auf Basis der schriftlichen Arbeiten. 

  • Ausnahme: Sollte die Präsentation/Diskussion notwendig sein, um eine negative Beurteilung zu verhindern, kann sie abgehalten werden. 

  • Was weiterführende Ausbildungen und Aufnahmetests an Hochschulen betrifft, werden wir dafür Sorge tragen, dass diese verschoben und Sie kein Semester verlieren werden. 

 

Sobald der Zeitpunkt für eine schrittweise Rückkehr zur Normalität in Abstimmung mit den sonstigen Maßnahmen der Bundesregierung geklärt ist, werde ich mich nochmal mit weiteren Details an Sie wenden. 

Ich wünsche Ihnen jedenfalls bei den Vorbereitungen gutes Gelingen, ich drücke Ihnen die Daumen. Es ist zweifelsohne eine außergewöhnliche Situation, aber Sie werden sie meistern und in einigen Jahren zu Recht mit Stolz darauf zurückblicken. 

 

Ihr Heinz Faßmann 

Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft